Nobelhotel im Harz

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Nobelhotel

Nobelhotel

Ein Nobelhotel im Harz

Auf unserem ersten Fotostammtisch kam das Gespräch auf eine gemeinsame LP-Tour in den Harz. Nach einigen Wochen der Terminfindung war es dann endlich am letzten Oktober- ersten Novemberwochenende soweit – Treffpunkt 5:00Uhr morgens an der Freiheitshalle. Mit ein wenig Verzögerung machten wir uns schließlich auf den Weg in das höchste Gebirge Norddeutschlands. Die Fahrt war kurzweilig und unterhaltsam, wofür Peter mit seinen Geschichten schon sorgte. Im Hotel angekommen, „erdreisteten“ wir uns doch tatsächlich schon am Morgen (es war kurz nach neun) nach unseren Zimmern zu fragen. Wir wurden „sehr freundlich“ wieder hinaus komplementiert. Also zurück zum Auto, Ausrüstung geschnappt und auf zum ersten Objekt. Nach kurzem Fußmarsch durch den Wald standen wir vor einem riesigen Gebäudekomplex, teils zwar abgezäunt, aber keineswegs so, daß man über den Zaun hätte steigen müssen, nein, man konnte bequem hindurchmarschieren. Auch war der Eingang in die Location schnell gefunden, und wir standen im Salon mit Sesseln und Marmorsäulen (naja, beim genaueren Hinsehen waren es mit Marmor verkleidete Säulen). Wir verstreuten uns und jeder begann mit seiner Jagd nach den schönsten Motiven. Ich startete vermutlich in einem ehemaligen Restaurant/einer Bar, jedenfalls fand sich nebenan die Küche.

Das Musikzimmer

Weiter gings in ein Musikzimmer mit Klavier, dem man sogar noch auf zwei drei Tasten einen Ton entlocken konnte. Wären die Stühle nicht ganz so dreckig gewesen und noch ein paar Tasten mehr bespielbar, hätte mein Frau bestimmt versucht, uns was vorzuklimpern, auch wenn das mit dem Klavierspielen schon „hundert“ Jahre her ist. Doch erst mal weiter im Erdgeschoß – im mittleren(?) Teil des Komplexes hatte es schon mal gebrannt, dementsprechend baufällig war hier der Treppenaufgang, aber den mußte man ja nicht nutzen, um weiter nach oben zu gelangen. Es gibt meistens mehrere Zugänge zu den  oberen Stockwerken. Hier wiederholte sich dann auch die Aufteilung der Etagen. Während der Teil des Gebäudes, in dem es gebrannt hatte unter Wassereinbruch, Schimmel, Moosbefall und einstürzenden Decken und Mauern litt, war der unversehrte Teil lediglich dem üblichen Vandalismus ausgeliefert, zerstörte Waschbecken, zerschlagene Fenster und Türen, herabgerissene Tapeten, zertrümmerte Möbel….

Alte Speisekarte verdarb einem den Hunger

Im Keller, im Personalraum, stand noch eine uralte Schreibmaschine und eine ebenso alte Küchenwaage. Wir fanden Speisekarten mit Menüvorschlägen, deren Preise derart gesalzen waren, daß man schon vor dem Bestellen satt war. Auch der Dachboden war faszinierend, teils relativ aufgeräumt, teils der Boden mit Papieren übersät. Das älteste übrigens trug ein Datum von 1946. Und überall im Haus lagen Matratzen herum.

Doppelbett mit Moos

Nach ein paar Stunden auf und ab durch die Etagen und ein paar wirklich interessanten Funden – wie „Moosbetten“ oder von Pilzen bewachsenen Möbelstücken, besuchten wir noch das Casino. Vergoldete Lampen, eine riesige Bar, eine Lounge zum Erholen – ein bißchen Phantasie ist ja wohl erlaubt.

Schließlich waren wir irgendwann „durch“. Zeitlich war es für eine weitere größere Location zu spät  und die kleinere in Frage kommende verriegelt und verrammelt. Also beschlossen wir noch ein paar Herbstaufnahmen zu machen. Wir fuhren quer feldein und erhaschten doch tatsächlich ein  paar schöne Motive in einem Mischwald kurz bevor die Sonne unterging. Über Stock und Stein führte uns das Navi dann zu unserem Hotel, wo wir jetzt auch einchecken durften. Auf 18.00 Uhr verabredeten wir uns dann zu einer Kneipentour und landeten in der Hexenklause. Und weil es uns so gut gefiel, tourten wir gar nicht weiter und blieben hängen, sogar noch bis nach Restaurantschluß. Laut Kassenbon haben wir die Rechnung um 23:17Uhr erhalten, zuschließen wollte man aber schon um 22:00Uhr. Selbst mit der  Chefin kamen wir dann noch recht nett ins Gespräch, und sie spendierte uns einen „Fettspalter“ zum krönenden Abschluß.

Jetzt marschierten wir nur noch zum Hotel, verabredeten uns zum Frühstück und fielen in die Betten.

Am nächsten Tag sollte es ja weitergehen….

Jochen Bake
Jochen Bake
fotografiert gerne Lost Place. Er ist für die Stadt Hof, Frankenpost, Stadtmarketing Hof und den ASV Hof fotografisch tätig. Er ist im Raum Hof auf fast jeder Veranstaltung anzufinden.

2 Kommentare

  1. Katja sagt:

    Tolle Bilder!!! Ich mag diesen maroden Charme. Besonders der Stuhl auf den Glassplittern hat mich sehr beeindruckt. Großartig! Viele Grüße von Katja

  2. […] ersten Teil unserer Harztour ging es ja zu einem Nobelhotel. Nach einer relativ unruhigen Nacht trafen wir uns, wie verabredet, zum Frühstück. Sogar ein […]

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