Altes verlassenes Krematorium

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Verlassenes Krematorium

Verlassenes Krematorium

Sonntagmorgen, 5.00 Uhr, der Wecker klingelt.  Zu zeitig? – Auf keinen Fall, denn um 6.00 Uhr startet die nächste „Lost-Places-Tour“ gemeinsam mit zwei befreundeten Fotografen. Die Reise führt uns diesmal in den Osten in ein altes stillgelegtes Krematorium. Der Gesamtzustand des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes ist eher besorgniserregend. Vandalen und Graffitisprayern scheint nichts heilig zu sein – nicht mal ein Krematorium.

Altes verlassenes Krematorium

Das 1910 eingeweihte Krematorium tat seinen Dienst bis in die 1990er Jahre. Ende der 1980er Jahre schloß man zunächst die Trauerhalle und demontierte die auf Wasserdruck betriebene Versenkungsanlage. Noch vorhanden sind Aschemühle und die Techniketage mit Einführwagen auf dem Drehkreuz-Schienensystem, der die Y-förmig angelegten Etagenöfen erreichbar machte – die Brenner wurden nach der Stillegung demontiert, wie auch der Sargtisch.

Auf den ersten Blick gibt es keine Möglichkeit, ins Innere des Gebäudes vorzudringen. Doch meinem wachsamen Auge entgeht nichts, und ich fand ein Schlupfloch. Voll ausgestattet zwängten wir uns also durch selbiges und standen in der ehemaligen Trauerhalle. Zwei Tauben beobachteten unser emsiges Treiben und gurrten eifrig ihre Kommentare. Die Holzverkleidung der Decke war weniger vertrauenserweckend und hing schon teilweise sehr locker herab. Nach ersten Erkundungen und Fotos fanden wir den Weg in die untere Etage, wieder über ein Loch in der Mauer und über eine schmale Wendeltreppe. Hier befanden sich die Kühlräume für die Leichen, zwei Brennöfen und der Einführwagen auf dem Drehkreuz. Der Boden war mit einer dicken Schicht von abgebröckeltem Putz, teilweise Unrat und herausgerissenen Kabeln bedeckt. Die Lichtverhältnisse reichten von ausreichend bis nicht vorhanden. Wir verteilten uns in die verschiedenen Ecken und starteten jetzt richtig mit unserer Fotosession. Selbst meiner Frau habe ich eine Kamera in die Hand gedrückt, damit ihr nicht langweilig wird.

Nach gut einer Stunde galt es den Rest des Komplexes zu erkunden. Nämlich eine weitere Etage nach unten. Hier wären wir ohne unsere LED-Lenser aufgeschmissen gewesen, gespenstische Dunkelheit. Überall Plastikurnen und Schamottemarken, ein ehemaliges Büro und ein Bad? – jedenfalls standen eine Badewanne und eine Toilette darin und an der Wand hing ein Waschbecken. Auch hier fand sich verrottende Technik und somit jede Menge „Fotografierstoff“. Die nächste Stunde war vorüber. Jetzt ging es noch ans Nachbessern, jeder hatte nochmal so eine Idee, wie er das eine oder andere Gesehen nochmal ins rechte Licht rücken wollte. Und Stunde drei war vorbei.

Zwischenzeitlich bekamen wir noch „Besuch“ von einem Einheimischen und seiner Schwiegermutter, die wohl durch dessen Bruder auf diesen Ort aufmerksam gemacht worden waren. Meine Frau machte mit dem „Fremden“ eine kleine Führung, da dieser seine Taschenlampe vergessen hatte.

Als ich meinen Fotografierdrang in Inneren gestillt hatte, ging es draußen weiter. Die Stufen zum Eingang des Krematoriums sind von Bäumen durchwachsen – faszinierendes Schauspiel. Dahinter befindet sich der Urnenfriedhof, macht aber auch einen sehr verlassenen Eindruck. Alles in allem ist das Gelände ziemlich verwildert , was hoffentlich dazu beiträgt, von Zerstörungswut geplagte Menschen von dem Betreten abzuhalten.

Nach einer kleinen Brotzeit und einer kurzen Verschnaufpause auf den Stufen vor dem Krematorium hielten wir unser Quartett noch auf einem Foto fest und begaben uns anschließend zum nächsten „Lost Place“………..

Jochen Bake
Jochen Bake
fotografiert gerne Lost Place. Er ist für die Stadt Hof, Frankenpost, Stadtmarketing Hof und den ASV Hof fotografisch tätig. Er ist im Raum Hof auf fast jeder Veranstaltung anzufinden.

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